Sa 7. Mai 2022 | 19.00 Uhr

Kammermusiksaal des Woelfl-Hauses

Gesprächskonzert zu Richard Wagners Tannhäuser

Alexandra von der Weth (Elisabeth) | Anette Elster (Venus) | Corby Welch (Tannhäuser) | Susanna Kilian (ein junger Hirte) | Roland Techet (Klavier) | Stefan Plasa (Moderation)

© A. Savin, WikiCommons

Eintritt/Stream-Ticket: € 20,- (+ Stream-Gebühren)

Schüler/Studenten: € 12,- (+ Stream-Gebühren)

Tickets+Stream: dringeblieben.de/

Anmeldung für Saalbesucher unter haider-dechant@woelflhaus.de bzw. +49 (0) 151 – 655 181 55

Woelfl-Haus Bonn, Meßdorfer Str. 177, D-53123 Bonn; Anreise mit Bus 610 u. 611 ab Hbf. Bonn Richtung Duisdorf (Haltestelle Gielsdorfer Straße)

Eine Veranstaltung des Woelfl Hauses mit der Universität Bonn

Raichard Wagners romantische Oper Tannhäuser, 1845 in Dresden uraufgeführt, verbindet zwei Stoffe, zum einen die Sage um den Minnesänger und Spruchdichter Tanhūser (13. Jh.), die Mythenbildung um seinen Aufenthalt im Venusberg und seine Bußfahrt nach Rom, und zum anderen die Legende um den historisch nicht belegten Sänger Heinrich von Ofterdingen und den Sängerkrieg auf der Wartburg. Beide Stoffe erfahren in der deutschen Romantik eine reichhaltige mythopoetische und literarische Anverwandlung, u.a. in den Deutschen Sagen der Brüder Grimm, in der Liedsammlung Des Knaben Wunderhorn, in einem Romanfragment von Novalis oder auch in E. T. A. Hoffmanns Novelle Der Kampf der Sänger. Richard Wagner verdichtet die Stoffe zu einem Drama um Kunst (und das schöpferische Individuum) und Eros: ihm geht es im Kern um die konflikthafte Thematik der künstlerisch-geistigen Freiheit im Spannungsfeld profaner und sakraler Liebe sowie um das in seinen Musikdramen wiederkehrende Motiv der Erlösung durch Liebe. Die Widersprüchlichkeit und innere Zerrissenheit seines Protagonisten gestaltet Wagner in musikalisch komplexen Strukturen, die keine einheitliche Signatur erkennen lassen. Die Entwicklung des kompositorischen Schaffens Wagners von der romantischen Oper zum Musikdrama ist in seinem Tannhäuser in besonderer Weise verkörpert, da er für die Pariser Aufführung 1861 weitreichende, auf der Tristan-Chromatik basierende Neubearbeitungen v.a. der Venusbergszene vornahm. Der Pariser Tannhäuser wurde zudem legendär als einer der größten Skandale der Musiktheatergeschichte; dieses Ereignis gilt als eine der Initialzündungen der symbolistischen Avantgarde in Frankreich.

In diesem Gesprächskonzert kehren Alexandra von der Weth (Sopran), Corby Welch (Tenor) und Roland Techet (Klavier) ins Woelfl-Haus Bonn zurück. Annette Elster (Sopran) gibt als Venus ihr Debüt im Woelfl-Haus. Unsere Nachwuchssängerin Susanna Kilian (Sopran) singt den jungen Hirten. Stefan Plasa (Universität Bonn) moderiert den Abend.

© Ariane Becker

Alexandra von der Weth

Die Sopranistin Alexandra von der Weth war ab Mitte der 90er Jahre eine der gefragtesten Interpretinnen des lyrischen und Koloraturfachs. Sie ist gleichermaßen im Opern- wie im Konzertfach zu Hause. Nach ihrem Gesangsstudium am Richard-Strauss-Konservatorium in München gab sie 1993 ihr Bühnendebüt an der Oper Leipzig. Sie war in den folgenden Jahren an der Deutschen Oper am Rhein engagiert, wo sie unter anderem als Violetta (La Traviata) und Lucia di Lammermoor, Manon (Massenet), Alcina und Lulu das Publikum begeisterte. Vor allem ihr Debüt als Norma in Bellinis gleichnamiger Oper an der Deutschen Oper am Rhein im Mai 2003 faszinierte Publikum und internationale Presse gleichermaßen. 1999 debütierte Sie als Musetta (Puccini, La Bohème) mit großem Erfolg an der Wiener Staatsoper und 2001 an der Metropolitan Opera New York sowie als Fiordiligi (Mozart, Cosi fan tutte) beim Glyndebourne-Festival. Weitere Gastspiele führten sie u.a. an das Royal Opera House Covent Garden London und an die Lyric Opera of Chigago. Alexandra von der Weth arbeitete unter anderem mit so bedeutenden Regisseuren wie Christof Loy, Günter Krämer, Herbert Wernicke, Werner Schroeter, Nikolaus Lehnhoff und Christoph Marthaler. Sie sang unter anderem unter Leitung von Sir Andrew Davis, Antonio Pappano, Stefan Soltesz und Carlo Rizzi. Seit 2003 interpretiert sie verstärkt auch Stücke zeitgenössischer Komponisten, wie Beat Furrer, John Cage, Sylvano Bussotti, George Crumb, Gerhard Stäbler und Kunsu Shim. Alexandra von der Weth arbeitet zudem seit Jahren als Stimmbildnerin und Sprechtrainerin, ist Lehrbeauftragte an der Philosophischen Fakultät der Universität Bonn und vertritt seit dem Wintersemester 2021/22 eine Professur für Gesang an der Hochschule für Künste in Bremen.

Annette Elster

Geboren in Hannover, studierte sie in Würzburg (Horst Laubenthal), Berlin (Hannelore Kuhse) und Köln (Monika Pick-Hieronimi). Noch während der Studienzeit Opern-Debüt in Palermo. Weitere Opern- und Konzertauftritte in Italien, sowie Gast-Engagements an der Berliner Staatsoper und der Dallas Opera. Nach dem Studium Engagement am Theater Hagen als erster Mezzosopran des lyrischen Fachs (Carmen, Cenerentola, Charlotte/'Werther', Orpheus, Cherubino, Hänsel), dann Engagement an der Oper Nürnberg mit der Erweiterung in das dramatische Mezzosopranfach: u.a. Fricka/'Rheingold', Komponist/'Ariadne', Geschwitz/'Lulu'. Dabei auch beginnender Wechsel in das dramatische Sopranfach und Sopranpartien des zeitgenössischen Musiktheaters: Kundry (Richard Wagner/'Parsifal'), Montezuma (Wolfgang Rihm/'Die Eroberung von Mexico'), Io (Carl Orff/'Prometheus'), Mrs. Klinghoffer (John Adams/'The Death of Klinghoffer'), Die Mutter (Luigi Dallapiccola/'Il Prigioniero'). Gastspiele in Bologna (Leos Janácek/'Il caso makropoulos'), als Io in München und in der Kölner Philharmonie, als 'Ariadne'-Komponist in Hannover und an der Semperoper Dresden. Seit 1998 freischaffend, wirkte sie u.a. mit bei der Uraufführung als Goneril in 'Vision of Lear' (Toshio Hosokawa) bei der Münchener Biennale, in derselben Rolle bei den 2. Theatre-Olympics in Japan (Tokyo und Shizuoka), als 'Rheingold'-Fricka am Staatstheater Kassel, 'Walküren'-Fricka in Triest und Udine, als 'Zigeunerbaron'-Cypra in der italienischen Erstaufführung beim Sommerfestival Triest. Eboli (Giuseppe Verdi/'Don Carlos') beim Takefu-Festival in Japan. Uraufführung der Oper 'TagNachtTraumstaub' (Annette Schlünz) zur Eröffnung der Expo 2000 Hannover (Oper Leipzig). Montezuma in Wolfgang Rihms 'Die Eroberung von Mexico' (Oper Frankfurt/2001), Ophelia in Wolfgang Rihms 'Die Hamletmaschine' (Prinzregententheater München/2001). Zusammenarbeit mit Künstlern wie Luca Ronconi, Rosalie, Niels Peter Rudolph, Uwe Scholz, Bernhard Sinkel, Tadashi Suzuki, Gary Bertini, Wolfgang Rennert, Christian Thielemann u.a. Neben der Oper auch rege Tätigkeit im Konzert- und Liedbereich: Beethoven-Missa Solemnis, Mahler-Zweite Symphonie, Verdi-Requiem, Luciano Berio-Folk Songs, Strawinsky-Les noces, Schönberg-Jakobsleiter, Rossini-Stabat mater, Brahms-Altrhapsodie, Schönberg-Gurrelieder. Auftritte: Bamberger Symphoniker, Berliner Festwochen, Bologna, Bregenz, Madrid, Metz, Nancy, Osaka Symphony, Ravenna, Rom, Ruhrfestspiele, Turin u.a. Lieder von Gustav Mahler, Johannes Brahms, Richard Strauss, Arnold Schönberg, Wolfgang Rihm, Claude Debussy und Maurice Ravel. Recitals in Houston und Fort Worth/USA Schloss Elmau, Oper Frankfurt

© Foto Eichen

Susanna Kilian

Susanna Kilian wurde 2003 in Neuwied am Rhein geboren. Mit fünf Jahren begann sie Klavierunterricht zu nehmen und entdeckte einige Jahre später ihre Leidenschaft für den Gesang. Ab 2014 sang sie im Kinder- und Jugendchor Theater Bonn und war dort bereits in zahlreichen Opern, Konzerten und Eigenproduktionen sowohl im Chor als auch solistisch zu sehen. Insbesondere spielte sie den 1. Knaben in der Oper „Die Zauberflöte“ und im Ensemble einen der vier Edelknaben in „Lohengrin“. 2020 machte sie ihr Abitur und studiert seitdem Rechtswissenschaften an der Universität Bonn.

Privat

Corby Welch

Seit 2011 hat Corby Welch sich einen Namen gemacht in Rollen wie dem ERIK in „Der fliegende Holländer“, den er auch in Düsseldorf, der Opéra Royal de Wallonie Liège und am Staatstheater Braunschweig sang, dem LOHENGRIN in Duisburg, Magdeburg und konzertant im Schloss Neuschwanstein, und mit seinem Debüt als LOGE in „Das Rheingold“ am Grand Théâtre de Genève . Kürzlich sang er das „War Requiem“ am Staatstheater Kassel, „Elijah“ in Bremen (Glocke), „Paulus“ in Mailand, die Johannespassion mit dem Bachchor Gütersloh, die Matthäuspassion mit dem Symphonieorchester Lahti, Mahlers „Lied von der Erde“ in Buffalo, New York und Basel, den 2. Akt TRISTAN in Taiwan, Liszts FAUST-Sinfonie in Giuyang in China. Außerdem trat er auf in einer Weltpremiere mit dem Rundfunk-Symphonieorchester Stuttgart beim angesehenen Eclat Festival Neue Musik in Stuttgart. Zuletzt war Corby Welch auch als BACCHUS, PETER GRIMES, TAMBOURMAJOR in Düsseldorf zu erleben sowie als TANNHÄUSER in einer Neuproduktion am Nationaltheater Weimar und an der Nationaloper Tallinn. Er sang DAS LIED VON DER ERDE in Paris, Bilbao und San Sebastian, die GURRE-LIEDER in Vilnius, die 9. SINFONIE in der Kölner Philharmonie und THE DREAM OF GERONTIUS in der Tonhalle Zürich. 2021 wird er als ALWA in Lulu am Theater Heidelberg sowie als PAUL in Korngolds Die Tote Stadt an der Rheinoper Düsseldorf debütieren. An der Opéra de Toulon singt er Mahlers DAS LIED VON DER ERDE.

© Billi Wesselburg

Roland Techet

Roland Techet war u.a. Kapellmeister am Theater Augsburg. Er studierte Klavier und Dirigieren an der Musikhochschule Stuttgart. Roland Techet assistierte u.a. dem Dirigenten Wolfgang Gönnenwein bei den Ludwigsburger Festspielen und arbeitete als Korrepetitor an der Staatsoper Stuttgart. Im Anschluss daran folgten Engagements als Kapellmeister an bedeutenden Opernhäusern, wie dem Staatstheater Kaiserslautern, dem Gärtnerplatztheater und der Deutschen Oper am Rhein. Darüber hinaus assistierte Roland Techet den bedeutenden Musikern Lorin Maazel (Tristan und Isolde am Prinzregententheater München, 2001), Eberhard Kloke (Festival Jenseits des Klanges 1999) und Maurizio Kagel. Seit 2005 ist Roland Techet als freischaffender Dirigent im In- und Ausland sehr gefragt. Seine Dirigententätigkeit führte ihn zur Zusammenarbeit u. a. mit den Düsseldorfer Symphonikern, den Duisburger Symphonikern, dem Beethoven-Orchester Bonn, dem Orchester des Oldenburgischen Staatstheaters, der Staatskapelle Halle, dem Orchester des Nationaltheaters Prag, den Baden-Badener Philharmonikern, dem Orchester des Mainfrankentheaters Würzburg, dem Orchester der Netherlands Opera Amsterdam und vielen weiteren Orchestern. Ein wichtiger Schwerpunkt seiner künstlerischen Arbeit liegt im Bereich der Neuen Musik, mit einem Schwerpunkt auf der Kreation neuer musikalischer und musiktheatraler Konzepte (Schönheit der Schatten, Düsseldorf 2006 in Zusammenarbeit mit Werner Schroeter). So war er zu Gast beim Festival für Neue Musik Düsseldorf, bei der Ruhrtriennale und beim Opening14 in Trier. Seit mehreren Jahren ist Roland Techet Lehrbeauftragter an der Philosophischen Fakultät der Universität Bonn.

©Daniela Held

Stefan Plasa

Stefan Plasa, Jahrgang 1970, studierte Germanistik und Anglistik an der Universität Greifswald. Er wurde 2007 in der anglistischen Literaturwissenschaft mit einer Arbeit zur modernistischen Dichtungstheorie T. S. Eliots und Ezra Pounds promoviert (die Dissertation wurde 2010 im Wilhelm Fink Verlag München veröffentlicht). 2003 verbrachte Stefan Plasa einige Monate als Visiting Scholar am Wolfson College der University of Cambridge in England. Artikel, Aufsätze und Vorträge beschäftigten sich seitdem u.a. mit deutscher und englischer Literatur des Mittelalters, der Renaissance und vor allem der Klassischen Moderne. Ein Schwerpunkt der literaturwissenschaftlichen Arbeit von Stefan Plasa liegt auf der Rezeption von Stoffen und Motiven in der Kunst- und Musikgeschichte.

Nach Stellen als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Greifswald arbeitete Stefan Plasa von 2007 bis 2009 als Studienkoordinator der Philosophischen Fakultäten der Universität des Saarlandes in Saarbrücken und seit Dezember 2009 als Referent für Studium und Lehre am Dekanat der Philosophischen Fakultät der Universität Bonn.