So 05. Februar 2023| 16.00 Uhr

Kammermusiksaal des Woelfl-Hauses

Klaviertrio

Franziska Pietsch (Violine), Hila Karni (Violoncello), Maki Hayashida (Klavier)

Eintritt: € 24

Schüler/Studenten: € 15

Stream-Ticket: € 20 (+Stream-Gebühren)

Für Mitglieder der beiden Woelfl-Gesellschaften:

Eintritt: € 22

Schüler/Studenten: € 14

Tickets+Stream: dringeblieben.de/videos/trio-lirico

Anmeldung für Saalbesucher unter haider-dechant@woelflhaus.de

bzw. +49 (0) 151 – 655 181 55

oder mit unserem online Formular

Eine Veranstaltung der Joseph-Woelfl-Gesellschaft Bonn e.V.

© Tommaso Tuzj, Uwe Arens, Guy Hecht

Programm

Joseph Woelfl Grand Duo für Violine und Klavier d-moll op. 31

(1773 - 1812) Largo (Adagio) - Allegro molto

Andante

Finale. Allegro


Ludwig van Beethoven Trio für Violine, Violoncello und Klavier

(1770 - 1827) D-Dur op. 70 Nr. 1 “Geistertrio“

Allegro vivace e con brio

Largo assai ed espressivo

Presto


Pause


Antonin Dvorák Klaviertrio Nr. 4 e-moll op. 90 „Dumky“

(1841 - 1904) Lento maestoso - Allegro quasi doppio movimento (attacca)

Poco Adagio - Vivace non troppo (attacca)

Andante - Vivace non troppo

Andante moderato - Allegretto Scherzando - Meno mosso

Allegro

Lento maestoso - Vivace

Franziska Pietsch - Violine

„Diese Solistin, das hört man schnell, hat etwas zu sagen“, urteilte Treffpunkt Klassik im SWR 2. Das kommt nicht von ungefähr. Denn im Spiel einer Musikerin spiegeln sich die Erfahrungen eines Lebens. Und das war bei Franziska Pietsch ungemein bewegt. Musikalisch als auch menschlich. Mit zwölf Jahren bereits wurde sie als Solistin großer Violinkonzerte gefeiert und nahm Virtuoses von Paganini und Sarasate auf. Als Konzertmeisterin verschiedener Orchester tauchte sie in die Welt der großen Sinfonik und Oper ein, ehe sie sich für einige Jahre intensiv der Kammermusik widmete – vor allem im Duo, im Klaviertrio und im Streichtrio. Heute hat sich längst der Kreis geschlossen und Franziska Pietsch beeindruckt mit Bachs Sonaten und Partiten für Violine solo ebenso wie mit Prokofjews Violinkonzerten, für deren Einspielung sie u.a. mit dem Vierteljahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet wurde.

„Klangliches Raffinement, lyrische Empfindsamkeit, einen markanten Zugriff und effektvoll ausgespielte Kontraste“, bescheinigte „ Fono Forum“ und hob besonders Franziska Pietschs Kreativität und ihren Reichtum an Ausdrucksfacetten hervor. Und das englische Magazin „Gramophone“ zeigte sich hingerissen von der besonderen Mischung aus „raw expression“ und „special Innigkeit“. Ob sie nun Bach oder Bartók, Grieg oder Penderecki, Strauss oder Schostakowitsch spielt – Franziska Pietsch gelingt dies mit einer Intensität, die mitreißt, aber nie effektheischend wirkt. Und wenn sie im Trio Lirico ihrer Liebe zum Streichtrio frönt, dann kann sie sich auch zurücknehmen, wo es angebracht ist. Diese Reife hat vielleicht mit ihrer Biographie zu tun.

Geboren in eine Musikerfamilie in Ost-Berlin, wurde Franziska Pietsch früh entdeckt und gefördert. Sie studierte beim berühmten Pädagogen Werner Scholz, debütierte mit elf Jahren als Solistin an der Komischen Oper Berlin und gewann ein Jahr später den 1. Preis beim Bachwettbewerb für Kinder und Jugendliche in Leipzig. Während sie sich auf den Menuhin-Wettbewerb in London vorbereitete, blieb ihr Vater nach einer Tournee im Westen. Zwei Jahre dauerte es, bis Franziska, ihre Mutter und ihre Schwester aus der DDR ausreisen durften, zwei Jahre, die geprägt waren von Repressalien, ohne Geigenunterricht und ohne Konzerte. Aber auch Jahre, in denen sie sich den grundsätzlichen Fragen stellen musste – welchen Weg im Leben sie gehen wollte und welche Rolle die Musik dabei spielen sollte. Geholfen hat ihr dabei vor allem die Musik Johann Sebastian Bachs.

Der Neuanfang im „Westen“ war hart, auch wenn Ulf Hoelscher, einer der bedeutendsten Geiger in Deutschland, sie als Mentor unter seine Fittiche nahm. Nach dem Gewinn des Wettbewerbs „Maria Canals“ 1989 wagte sie dann mit 20 den Sprung nach New York und studierte an der Juilliard School bei der legendären Dorothy DeLay. Wichtige Anregungen erfuhr sie darüber hinaus in Meisterkursen bei Wanda Wilkomirska, Herman Krebbers und Ruggiero Ricci.

Zurück in Deutschland übernahm sie für einige Jahre die Stelle als Erste Konzertmeisterin im Sinfonieorchester Wuppertal und gastierte in gleicher Position u.a. an der Deutschen Oper am Rhein, an der Frankfurter Oper, bei den Solistes Europèens und beim Orchestre Philharmonique de Luxembourg (deuxième soliste).

2000 bis 2014 führte sie das Trio Testore an, mit dem sie sämtliche Klaviertrios von Brahms aufnahm und das Festival „Mai Klassik“ gründete. Seit 2015 spielt sie im Trio Lirico, aktuell in der Besetzung mit der Bratschistin Sophia Reuter und der Cellistin Hila Karni. Das kammermusikalische Spiel ist ihr bis heute genauso wichtig wie die solistische Zusammenarbeit mit großen Orchestern. Zu ihren Partnern zählten hier zuletzt u.a. das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin, die Krakauer Philharmonie, das Dortmunder Konzerthaus, unter den Dirigenten, mit denen sie musiziert hat, finden sich so prominente Namen wie Antoni Wit, Horst Stein, Arpad Joò, Moshe Atzmon und Christian Macelaru.

Franziska Pietsch ist darüber hinaus ein gern gesehener Gast bei Kammermusikfestivals, etwa beim Schleswig-Holstein Musik Festival, beim Aspen Music Festival oder bei den Mettlacher Kammermusiktagen, wo u.a. Jacques Ammon, Gustav Rivinius oder Hariolf Schlichtig ihre Partner waren. Ihre CD Aufnahmen erleben ein herausragendes Echo und sind preisgekrönt, zuletzt wurden die beiden Bartók-Violinsonaten mit der Pianistin Maki Hayashida mit einem Pizzicato-Supersonic ausgezeichnet.

Vor wenigen Jahren ist eine neue Facette in Franziska Pietschs künstlerischem Schaffen hinzugekommen: 2015 hat sie zum ersten Mal eigene Gedichte in einem gemeinsamen Buch mit der Künstlerin Nasrah Nefer veröffentlicht, 2019 entwickelte sie den ungewöhnlichen Konzertabend „musikMACHTpoesie“, bei dem sie gemeinsam mit einem Pianisten und einem Schauspieler auf eine spannende Reise zu Musik, Sprache und Poesie geht.

2021 erhielt Franziska Pietsch den begehrten „International Classical Music Award „für ihre CD „Fantasque“, die sie mit dem Pianisten Josu de Solaun eingespielt hat.

Sie spielt eine Violine von Carlo Antonio Testore, Mailand 1751

Hila Karni - Violoncello

Hila Karni (Cello) wurde in Tel Aviv geboren. Ihren ersten Cellounterricht bekam sie mit 9 Jahren. Vier Jahre später begann sie, mit ihrem ersten Klaviertrio Konzertreisen nach Europa, Kanada und in die Vereinigten Staaten zu unternehmen.

Sie studierte bei Zvi Harel, Uzi Wiesel, David Geringas und dem legendären Bernard Greenhouse, der Hila als „eine der musikalisch sensibelsten, technisch aufregendsten Cellistinen der jüngeren Generation“ bezeichnete. Kammermusikalische Unterweisung erhielt sie durch Haim Taub, Ilan Gronich und das Alban Berg Quartett.

Gemeinsam mit dem Geiger Daniel Bard und dem Pianisten Ohad Ben-Ari gründete sie 2006 das erfolgreiche Trio Mondrian. Beim Internationalen Kammermusikwettbewerb in Triest 2007 gewann das Trio den 1. Preis, den „Young Award“ und einen Sonderpreis für seine Interpretation eines Brahms-Trios. Beim Bologna Festival 2008 erhielt es den Publikumspreis. Außerdem wurde es 2009 mit dem Borletti-Buitoni-Stipendium (London) ausgezeichnet. Der italienische Komponist Marcello Abbado widmete dem Ensemble ein Werk mit dem Titel „Trio Mondrian“. Seit 2021 ist Hila Mitglied des Trio Lirico.

Als Gast bei zahlreichen Festivals, darunter die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern, das Schleswig-Holstein Musikfestival, das Stresa Festival, das Kfar Blum Festival und das Ravinia Festival und durch Konzerte im Amsterdamer Concertgebouw, im Athener Konzerthaus Megaron, im Festspielhaus Baden-Baden, im Palais des Beaux Arts in Brüssel und im Wiener Konzerthaus, in der Kölner Philharmonie, der Wigmore Hall in London und der Carnegie Hall in New York erlangte sie internationales Ansehen. Zu ihren vielen musikalischen Partnern gehören Boris Pergamentschikow, Guy Braunstein, Ralf Gothoni, Bernard Greenhouse, Maxim Vengerov, Nigel Kennedy und das Scharoun Ensemble. Auch der israelischen Sängerin Achinoam Nini, in Deutschland unter dem Namen „Noa“ bekannt, ist sie durch regelmäßige Zusammenarbeit verbunden.

Hila Karnis Einspielungen der „Romantischen Serenaden“ und des Cellokonzerts Op. 33 von Robert Volkmann mit der Hamburger Camerata, deren Solocellistin sie ist, und der „War Anthem“ von Max Richter mit dem Deutschen Filmorchester Babelsberg wurden von der Kritik enthusiastisch besprochen.

Die albanische Komponistin Dhora Leka schrieb für sie das bei peermusic veröffentliche Solowerk „Improvisus“.

In den Jahren 2013 bis 2015 lehrte Hila Karni an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg Kammermusik.

Auf Anregung ihrer damals zehnjährigen Tochter Lir Vaginsky, die den Wunsch äußerte, mit ihrer Mutter zu musizieren, rief sie 2015 in Berlin die erfolgreiche Kammermusikreihe „Prelude Concerts“ ins Leben. Diese bietet nicht nur ihren Töchtern Lir (Violine) und Dorel (Flöte), sondern auch vielen anderen jungen Talenten die Möglichkeit, mit professionellen Musikern aufzutreten.

Kritikerstimmen:

„Im breitangelegten, romantischen Thema brach der intensive Ton der Cellistin Hila Karni in seiner Schönheit wie ein Lichtstrahl hervor, und es wurde vollkommen still in dem kleinen Saal. Es war, als verschwände ringsherum alles im Dunkel, nur die Cellistin blieb zurück – und ihr Ton, der zu einem letzten Crescendo anschwoll und dann abebbte und verklang.“ (Haaretz, Galeria Magazin)

„Die Cellistin Hila Karni verfügt über den zartesten Celloklang, der dieser Tage auf unseren Bühnen zu hören ist: ihr Spiel ist sensibel und von großer klanglicher Schönheit, ganz von Musik und Musikalität durchdrungen, und ihre Solovorträge waren faszinierend.“ (Haaretz, Galeria Magazin)

Maki Hayashida - Klavier

Nach dem Maki Hayashida mit so bedeutenden Professoren wie Bernard Ringeissen am CNR de Rueil-Malmaison und Karl-Heinz Kämmerling in Hannover studierte, gab sie ihr Debüt in 1995 als Solistin mit Beethovens 5. Klavierkonzert in der Alten Oper Frankfurt. Als Preisträgerin mehrerer internationaler Klavierwettbewerbe, einschließlich des 1. Preises beim renommierten Wettbewerb „V. C. Righetti“ ist sie heute eine gesuchte Kammermusikpartnerin und Liedbegleiterin.

Ihre besondere Neigung zum einzigartigen Repertoire für Violine und Klavier führte zu einer Zusammenarbeit mit dem Geiger Michael Jelden mit zahlreichen Radio-, Fernseh- und CD-Produktionen sowie ausgedehnten Konzertreisen durch ganz Europa bis Dubai und Kairo.

Nachdem sie sich einige Jahre auf ihre jeweiligen Solo- und Kammermusikprojekte konzentriert hatten, spielen Franziska Pietsch, Violine und Maki Hayashida, Klavier seit 2018 wieder intensiv zusammen. Die Inspiration ihrer langjährigen Freundschaft und Zusammenarbeit entfaltet eine musikalische Strahlkraft die spannende Konzerterlebnisse garantiert. Im November 2021 haben sie ihre erste gemeinsame Aufnahme mit Violinsonaten von Bèla Bartòk beim Label Odradek veröffentlicht.

Ein großes Engagement verbindet sie mit dem Tanztheater Pina Bausch und den Wuppertaler Bühnen mit denen sie in verschiedenen Produktionen im In- und Ausland auftritt.

Zusätzlich zu ihrer regen Konzerttätigkeit unterrichtet sie als Dozentin an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf. Maki Hayashida wurde mehrfach vom japanischen Kultusministerium ausgezeichnet.

www.makihayashida.de