Anders Muskens (Broadwood), Enrico Coden (Traversflöte), Felix Thiedemann (Barock-Cello), Martin Czernin (Moderation)
Eintritt: € 24
Schüler/Studenten: € 15
Stream-Ticket: € 20 (+Stream-Gebühren)
Für Mitglieder der beiden Woelfl-Gesellschaften:
Eintritt: € 22
Schüler/Studenten: € 14
Stream-Tickets unter: https://rausgegangen.de/events/einweihung-des-joseph-woelfl-museums/
Achtung: Sollten Sie keine Gelegenheit finden, das Konzert live im Konzertsaal zu erleben, bietet das Woelfl-Haus als Besonderheit den Kauf von Stream-Tickets an. Dank dieses Tickets können Sie das Konzert bis zu einem Jahr so oft Sie dies möchten ansehen. Das Stream-Ticket berechtigt nicht zum Konzertbesuch im Woelfl-Haus.
Die Kapazität des Kammermusiksaals im Woelfl-Haus ist bereits ausgelastet. Um das Konzert trotzdem mitverfolgen zu können, besteht die Möglichkeit ein Stream-Ticket zu erwerben. Für einen Platz auf der Warteliste kontaktieren Sie uns bitte unter haider-dechant@woelflhaus.de oder unter 0151-655 18155
Eine Veranstaltung der Joseph-Woelfl-Gesellschaft Bonn e.V.
Das Joseph-Woelfl-Museum wird gefördert vom LVR-Dezernat Kultur und der Engelbert Humperdinck-Stiftung
Programm
Joseph Woelfl Irish Trio in F-Dur Op. 48 Nr. 2
Adagio. Allegro
„Madam Cole.“ Andantino
„Dennis, don’t be Threat’ning.” Allegro
Grand Duo Op. 31 für Violoncello und Klavier
Largo. Allegro molto
Andante
Finale. Allegro
P a u s e
Sonate in D-Dur Op. 28.1 für Klavier und Flöte
Allegro
Polonaise
Grand Trio in D-Dur Op. 23 Nr. 1
Allegro moderato
Menuetto. Presto
Adagio ma non troppo
Finale. Allegretto
© Simon van Boxtel
Anders Muskens (geb. 1993) ist ein kanadischer Fortepianist, Cembalist und Ensembleleiter, der sich auf historische Tasteninstrumenten-Interpretation und Musikwissenschaft spezialisiert hat. Er tritt in ganz Europa und Nordamerika auf und ist bekannt für seine lebendigen Interpretationen von Musik des 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Er studierte Fortepiano am Königlichen Konservatorium in Den Haag bei Bart van Oort und Petra Somlai und promovierte in Musikwissenschaft an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen mit einer Arbeit über rhetorisches Schauspiel und frühneuzeitliche Theaterpraktiken in der Aufführungskunst.
Anders Muskens ist Gründer und Leiter von Das Neue Mannheimer Orchester, das sich der Wiederbelebung der Musik des Mannheimer Hofes verschrieben hat. Das Ensemble trat bereits bei bedeutenden Festivals wie den Schwetzinger SWR-Festspielen auf und hat Aufnahmen für Etcetera Records und Naxos eingespielt. Zu seiner Diskografie gehören Beethoven: Waldstein- und Appassionata-Sonaten (2023), Vogler: Reiseandenken für Tasteninstrumente (2025) sowie Franz Ignaz Beck: Sonaten für Fortepiano op. 5 (2025). Muskens wird für seine stilistische Fantasie und seine Ausdruckskraft gelobt; seine Darbietungen wurden als „nicht nur lebendig und mitreißend, sondern auch neu und revolutionär“ (Early Music America) beschrieben. Sein Beethoven-Spiel wird für seine „technisch makellose“ Ausführung, sein rhetorisches Gespür und den mutigen Einsatz historischer Instrumente gelobt, während seine Ensemble- und Kammermusik für „Nuancen und Temperament“ bekannt ist, mit „gut ausgeführten Passagen, ohne dabei wie eine Etüde zu klingen“ (Early Music America). Zu Vogler: Travel Souvenirs for Keyboard (2025) bezeichnete Paula Maust (Society for Eighteenth Century Music) das Album als „auf jeden Fall ein genaues Anhören wert“ und lobte sein „Gespür für Timing und Phrasierung“ sowie die „breite Klangpalette“, die er den verwendeten historischen Fortepianos entlockte.
Muskens gab Solokonzerte im Het Concertgebouw Amsterdam, beim Utrecht Early Music Festival und in der Salle Bourgie in Montreal. Er ist Preisträger des ersten Preises beim Early Music Young Ensemble Competition (London, 2018) sowie des Sir James Lougheed Award of Distinction (2024). Im Jahr 2024 war er Stipendiat der Kunststiftung Baden-Württemberg und im Jahr 2026 Artist in Residence am Greifenberger Institut für Musikinstrumentenkunde. Für seine Forschungsarbeit erhielt Anders Muskens das Peter-Sabor-Stipendium der Canadian Society for Eighteenth-Century Studies sowie das Gale-Cengage-Stipendium der American Society for Eighteenth-Century Studies.
© Jacopo Furlanetto
Enrico Coden ist Flötist, Forscher und Pädagoge, dessen Repertoire von der Musik der Renaissance bis zur Gegenwart reicht, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der historisch informierten Aufführungspraxis liegt.
Er konzertierte mit Ensembles wie La Cetra/A. Marcon, dem Balthasar-Neumann-Ensemble/T. Hengelbrock, dem L’Orfeo Barockorchester/M. Gaigg und Il Gusto Barocco/Jörg Halubek. Er wirkte bei Aufnahmen für ORF, Berlin Classic, Prospero Classics und die Cinémathèque française mit. Zudem ist er Mitbegründer des Orchestra giovanile Filarmonici Friulani, des einzigen Musikensembles in der italienischen Region Friaul-Julisch Venetien, das vollständig von Personen unter 35 Jahren geleitet wird.
Coden unterrichtet Flöte an den Musikschulen von Linz, Wels und Bad Ischl. Als Doktorand und Universitätsassistent hält er an der Bruckner Universität in Linz Lehrveranstaltungen zu künstlerischer Forschung und beruflicher Entwicklung. Zudem unterrichtet er auch hier Flöte.
Als Forscher beschäftigt sich Enrico Coden insbesondere mit italienischer Flötenmusik des 18. und 19. Jahrhunderts und historischen rhetorischen Techniken. Seine Forschung präsentierte er in Beiträgen für Tibia und Falaut sowie in Vorträgen beim Utrecht Early Music Festival und an der Indiana University Bloomington. Gemeinsam mit Peter Schmid veröffentlichte er die kritische Edition von Gian Girolamo Foglianis Concerto per flauto traversiere beim Schmid & Genewein Verlag. Seine Komposition Introduktion, Thema und Variationen über „Es wird scho glei dumpa“ wurde bei Edition Walhall veröffentlicht.
Er studierte Flöte, historische Aufführungspraxis und Musikpädagogik in Udine (bei G. Marcossi), Linz (bei N. Girlinger, J. Dömötör und C. Genewein) und Den Haag (bei K. Clark und W. Hazelzet).
© Vielklang
Der Cellist Felix Thiedemann verbindet historisch informierte Aufführungspraxis mit einer lebendigen Konzertdramaturgie, die Musik im Kontext ihrer Zeit erfahrbar macht. Seine künstlerische Arbeit zeichnet sich durch Neugier, Vielseitigkeit und ein tiefes Verständnis für die Verbindung zwischen Musik und anderen Künsten aus. Ihm geht es nicht nur darum, Musik aufzuführen, sondern Räume zu schaffen, in denen sie erlebt, gespürt und verstanden werden kann.
Als Stellvertretender Solocellist an der Opéra National de Paris ist er Teil eines der renommiertesten Opernorchester Europas. Dort wirkt er an Opern-, Ballett- und Konzertproduktionen auf höchstem internationalen Niveau mit und verbindet dabei seine Liebe zur orchestralen Klangvielfalt mit seinem Interesse an historisch informierter Spielpraxis. Seine Tätigkeit in Paris steht exemplarisch für sein künstlerisches Selbstverständnis: Musik als Sprache, die über Epochen, Stile und Gattungen hinweg vermittelt.
Seit November 2025 ist Felix Thiedemann zudem im künstlerischen Bereich der Internationalen Bachakademie Stuttgart tätig. Dort bringt er seine Erfahrung als Musiker und Kulturmanager in die Programmplanung, Projektorganisation und Künstlerbetreuung ein. Sein Schwerpunkt liegt dabei auf der Verbindung von historischer Aufführungspraxis mit zeitgemäßen Konzertformaten und der Förderung junger internationaler Musiker:innen.
Ein zentraler Bestandteil seines künstlerischen Schaffens ist die Arbeit als Intendant des vielklang Festivals Tübingen, die er seit 2011 innehat. Unter seiner Leitung hat sich das Festival zu einem bedeutenden Forum für Alte Musik in Baden-Württemberg entwickelt, das in innovativen Konzertformaten historische Musik in neue Kontexte stellt. Thiedemann verantwortet dort nicht nur die künstlerische Leitung und Programmgestaltung, sondern auch die inhaltliche Weiterentwicklung, die Zusammenarbeit mit internationalen Künstler:innen und Ensembles sowie die inhaltliche und organisatorische Konzeption der vielklang Akademie. Ihm ist es ein besonderes Anliegen, Alte Musik für ein breites Publikum lebendig zu machen und sie mit zeitgenössischen Perspektiven zu verbinden.
Neben seiner kuratorischen Tätigkeit bleibt Felix Thiedemann ein leidenschaftlicher Musiker. Seine Konzerttätigkeit umfasst Auftritte als Solist, Kammermusiker und Continuo-Spieler in Deutschland, Frankreich, der Schweiz, den Niederlanden und Uruguay. Mit seinem Soloprogramm Tanz durch die Zeit spannt er einen musikalischen Bogen vom Barock bis in die Gegenwart, während er in seinem Duo mit der Harfenistin Emilie Jaulmes in dem Programm Gute Nacht Themen wie Heimat, Verlust und Sehnsucht erkundet. Auch das halb-szenische Programm Peer Gynt, eine Zusammenarbeit mit dem Pianisten Franck Adrian Holzkamp, verbindet Musik, Text und Theater zu einer atmosphärischen Erzählung.
Als Continuo-Cellist und Kammermusiker arbeitet Thiedemann regelmäßig mit renommierten Ensembles zusammen, darunter das Freiburger Barockorchester, Concerto Köln, das Hassler Consort, Generation Baroque, das Asasello Quartett, das Zemlinsky Quartett sowie Musikerpersönlichkeiten wie Christine Schornsheim und Lee Santana. Er ist Gründer und künstlerischer Leiter des Ensembles Gradus ad Parnassum, das sich auf Aufführungen barocker und frühklassischer Werke auf historischen Instrumenten spezialisiert hat. Mit diesem Ensemble war er Finalist des Deutschen Musikwettbewerbs 2015.
Felix Thiedemann engagiert sich darüber hinaus stark in der musikalischen Bildungsarbeit. Mit Projekten wie FYM! – FindYourMusic, das Jugendlichen die Möglichkeit gibt, eigene Musik zu Stummfilmen zu komponieren, oder den Kinderchorprojekten sing!@Tübingen und sing!@München, fördert er kulturelle Teilhabe und kreative Ausdrucksformen. Seine Arbeit zielt darauf, insbesondere junge Menschen aus kulturfernen Familien für Musik zu begeistern und ihnen Räume für Selbstwirksamkeit und Gemeinschaft zu eröffnen. Diese Projekte sind für ihn Ausdruck eines künstlerischen Verständnisses, das Kunst, Bildung und soziale Verantwortung miteinander verbindet.
Ein weiteres Feld seiner musikalischen Tätigkeit bildet das Munich Composers Collective (MCC), dem er seit 2021 angehört. Das Ensemble steht für progressiven, nach vorne gewandten Jazz, der sich stilistisch zwischen zeitgenössischer Kammermusik und improvisatorischer Freiheit bewegt. Thiedemann bringt in diese Arbeit seine klangliche Offenheit und seine Erfahrung aus verschiedenen musikalischen Welten ein. Das MCC hat in den letzten Jahren eine erste Live-CD veröffentlicht und ist regelmäßig mit neuen Konzertprojekten in München und deutschlandweit präsent.
Seine künstlerische Vielseitigkeit gründet auf einer fundierten Ausbildung. Nach dem frühen Wechsel in die Klasse von Prof. Mario de Secondi studierte Felix Thiedemann an mehreren europäischen Musikhochschulen. Er begann sein Studium in Weimar bei Prof. Tobias Stolzenburg, setzte es in Frankfurt bei Sabine Krams und Prof. Kristin von der Goltz fort und studierte anschließend in Paris bei Romain Garioud sowie in Trossingen bei Prof. Mario de Secondi und Werner Matzke. Schließlich absolvierte er an der Hochschule für Musik und Theater München den Master in Historischer Aufführungspraxis bei Prof. Kristin von der Goltz, Prof. Michael Eberth, Prof. Christine Schornsheim und Prof. Marice van Lishout. Parallel dazu erweiterte er seine Kompetenzen im Bereich Management durch ein Masterstudium im Kultur- und Medienmanagement an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, das er 2021 abschloss.
Die Verbindung von künstlerischer Exzellenz und organisatorischer Kompetenz prägt seither seine Arbeit. Durch seine Managementerfahrung, etwa als Projektleiter beim D-bü Wettbewerb für neue Konzertformate oder beim Freiburger Barockorchester, hat Thiedemann ein tiefes Verständnis für künstlerische Planung, Kommunikation und Teamführung entwickelt. Seit 2023 ist er außerdem Geschäftsführer des Bürgersaals Fürstenried in München, wo er das Kulturprogramm neu aufgebaut und den Ort als lebendiges Stadtteilkulturzentrum wieder etabliert hat.
In seiner künstlerischen Arbeit sucht Thiedemann stets nach neuen Zugängen zu musikalischen Inhalten und Ausdrucksformen. Er interessiert sich für das Spannungsfeld zwischen Tradition und Innovation, für die Frage, wie historische Musik heute klingen und verstanden werden kann, und wie sie mit aktuellen ästhetischen und gesellschaftlichen Fragen verbunden werden kann. Seine Projekte entstehen oft im Dialog mit anderen Kunstformen – Literatur, Theater, Film oder Tanz – und entwickeln sich aus der Idee, Musik in einem erweiterten Sinn als Medium des Erzählens, des Erinnerns und des Verbindens zu begreifen.
Zu seinen wichtigsten Mentor:innen zählen Kristin von der Goltz, Mario de Secondi, Werner Matzke, Romain Garioud, Gottfried von der Goltz und Phoebe Carrai. Sie prägten sein Spiel und seine Haltung zu Musik, die sich durch einen natürlichen Klang, stilistische Klarheit und emotionale Tiefe auszeichnet.
Für seine Arbeit wurde Felix Thiedemann mehrfach ausgezeichnet. Mit seinem Ensemble Gradus ad Parnassum war er Finalist des Deutschen Musikwettbewerbs 2015, zuvor gewann er mehrere erste Bundespreise bei „Jugend musiziert“. Seine Projekte werden regelmäßig durch die Initiative Musik, die Stadt München und das Land Baden-Württemberg gefördert.
Heute verbindet Felix Thiedemann in idealer Weise künstlerisches Können, organisatorisches Geschick und kulturelle Verantwortung. Seine Arbeit an der Opéra National de Paris, bei der Internationalen Bachakademie Stuttgart und im vielklang Festival Tübingen steht beispielhaft für eine Generation von Musiker:innen, die sich nicht auf ein Rollenbild beschränkt, sondern Musik als gesellschaftliche Praxis versteht. Seine künstlerischen Wege führen von der Bühne über den Konzertsaal bis in die Bildungs- und Kulturlandschaft – immer mit dem Ziel, Musik als lebendige, verbindende und inspirierende Kraft erfahrbar zu machen.
© privat
Dr. Martin Czernin, Kurator des Joseph-Woelfl-Museums: Studium der Musikwissenschaft in Salzburg und Wien, mit ergänzenden Studien an der Folkwang-Hochschule der Künste in Essen. Anschließend Musikarchivar in der Benediktinerabtei „Schottenstift“ im Zentrum Wiens. Mitarbeit am neuen Verzeichnis der Werke von Johann Josef Fux (1660–1741). Derzeit Mitarbeiter der Kulturabteilung des Landes Burgenland als Verantwortlicher für die Musiksammlung des Landes im Landesarchiv Burgenland. Lehrtätigkeit am Institut für Musikwissenschaft der Universität Wien sowie am Joseph-Haydn-Konservatorium des
Landes Burgenland. Zahlreiche Vorträge und Publikationen zur österreichischen Musikgeschichte, besonders des Mittelalters und des 18.–20. Jahrhunderts. Reiche Erfahrung mit dem Kuratieren großer Ausstellungen in Österreich.