Der älteste Teil des Woelfl-Hauses in Bonn-Lessenich diente ursprünglich den Fürsten von Thurn und Taxis als Remise für die Poststation am Ende der Meßdorfer Straße in Richtung Dransdorf. Nach dem Wiener Kongress 1815 wurde das Gebäude von dem Gemüsebauer Luhmer übernommen.
2012 erkannte das Wiener Ehepaar Margit und Hermann Dechant die großen Chancen des Anwesens: Im November 2012 in das stark renovierungsbedürftige Haus eingezogen, konnte bereits im Januar 2013 die Übersiedelung des Musikverlags -Musikoffizin OHG von Wien nach Bonn vollzogen werden. Der hauseigene Verlag wurde im ehemaligen Wirtschaftstrakt der Remise eingerichtet, die Gemüseputzhalle in den Kammermusik-Saal umgewandelt, sowie der ca. 80 m2 leerstehende Dachboden über dem Firmenbereich in einen Seminarraum umgewandelt.
Kammermusiksaal des Woelfl-Hauses Bonn
Seminarraum des Woelfl-Hauses Bonn
Woelfl-Haus Bonn 2016
© Giovanni Ausserhofer
Bereits nach 3 ½ Jahren war es möglich, das Kunst- und Wissenschaftszentrum Woelfl-Haus einzuweihen. In der Eröffnungsfeier war die Prominenz der Bonner Politik und Kulturszene vertreten. Der international gefeierte Pianist Gerhard Oppitz – Schirmherr beider Woelfl-Gesellschaften– ließ es sich nicht nehmen, im Eröffnungskonzert Woelfls große Sonate WoO 113 aufzuführen. Erstmals erklangen in Bonn Woelfls Ballade „Die Geister des Sees“, interpretiert von Christiane Rittner (Sopran) und das Grand Duo Op. 37a für zwei Klaviere, von Margit Haider-Dechant und Heinz-Walter Florin aufgeführt.
Von links beginnend: Dir. Malte Boecker (Direktor des Beethoven-Hauses), Dr. Claudia Lücking-Michel (MdB), Dr. Stephan Eisel (Präsident der Gesellschaft „Bürger für Beethoven“), Ehepaar Prof. Dr. Dechant
Gerhard Oppitz, Margit Haider-Dechant, Heinz-Walter Florin
Unmittelbar nach Ausbruch der Pandemie wurde im Kammermusiksaal eine Streaminganlage eingebaut , wodurch alle geplanten Konzerte selbst in der Zeit des Lockdowns durchgeführt werden konnten. Studierende konnten ihre Prüfungskonzerte abspielen, einzelne Durchgänge internationaler Wettbewerbe wurden im Woelfl-Haus aufgenommen und an die jeweiligen Kommissionen gesendet, z. B. an jene des Chopin-Wettbewerbs in Warschau. Seit dieser Zeit werden die meisten der Konzerte des Woelfl-Hauses weltweit gestreamt. Auch die Vorlesungen für die Universität aus dem Woelfl-Haus wurden sogleich via Zoom ausgestrahlt, wodurch die Studierenden keinerlei Ausfall des Unterrichts verzeichnen mussten. Das Woelfl-Haus war und ist auch auf diesem Gebiet führend.
Regieraum für den Kammermusiksaal